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Strafe muss sein

in Alte und neue Literatur...von Gilbert Kapkowski 05.07.2019 14:12
von gkapkowski • 24 Beiträge

Strafe muss sein
von Gilbert Kapkowski 05.07.2019


Es kam, wie es kommen musste. Ein Märchen aus nicht allzuferner Zukunft.

Eines schönen Tages oder besser gesagt im zeitigen Morgengrauen, holte der Sensenmann den bekannten politischen Kommentator Professor Albern von Lücke.

Zu Lebzeiten war dieser Schnellsprecher bekannt geworden durch allzuviel dahergeschnatterte, wie eigentlich nichtssagend überflüssige, Anmerkungen zur politischen Lage in Berlin und Europa.

Aber für seine Beliebtheit im Fernsehen, zumindestens in 2-3 Sendern, da konnte dieser Fachmann wohl rein gar nichts.

Unmittelbar nach seinem Ableben ging es mit seiner Karriere allerdings ziemlich nahtlos weiter.

Für eine Reservierung in der HÖLLE (...andere Geschichte...Anmerkung des Verfassers...) reichten seine Qualifikationen bei weitem nicht aus.

Also ergab sich die Einstufung für eine passende Tätigkeit als politischer Beobachter im HIMMEL.

Im Himmel wimmelte es nur so von Politikern aus allen möglichen Zeiten und Welten. Einige von ihnen schienen bereits zu Lebzeiten einen heiligen Schein gehabt zu haben. Also geradezu die besten Voraussetzungen, später bei und neben der allerhöchsten Macht als solcher zu verweilen.

Dies näher zu analysieren und zu hinterfragen, bzw. darüber weiterhin Unsinn verbreiten zu dürfen – das sollte die neue Aufgabe von Albern von Lücke im Himmel der Deutschen sein.

Als so eine Art unterstufiger „Teilzeitadliger“ mit einem „von“ im Namen wurde ihm als Tutor eine vorläufige Hilfskraft ähnlich edler Natur zur Seite gestellt.

Der Typ hiess „von Tuten und Blasen“.

Aber auch davon schien er nicht wirklich Ahnung zu haben.

Die Begrüssung und Ersteinweisung durch den zuständigen Beauftragten fiel etwas spärlich aus. So besonders wichtig war der Neuankömmling wohl nicht.

Von Lücke und sein Assistent wurden sehr schnell vor die Tatsachen gestellt.

Das Einsatzgebiet für den Aufenthalt deutscher Politiker im Himmel war dem Strandbad Wannsee im Berliner Sommer nachempfunden.

Eigentlich sah das Gelände täuschend echt aus.

„Ich kenne das hier bereits“, erklärte von Lückes Hilfslehrer erleichtert.
„Praktisch geht es den Meisten gut hier, weil sich vor allem die Prominenz zum Baden und Sonnen im eigenen Erfolg versammelt hat.“

Er fuhr fort:

„Die Sache hat nur einen gewissen Schönheitsfehler.
Es gibt eine kleine Strafmassnahme, an der keiner der Politiker vorbeikommt.
Sie müssen in dem Verhältnis ins Wasser, in dem sie in ihrem Leben gelogen und betrogen haben. Wenn sie Pech haben, gehen sie hier endgültig unter.“


„Hmh“, meinte von Lücke, „mal sehen, was man dazu noch kommentieren könnte.“

Der Tutor hatte allerdings keine Ahnung davon, wie das gemeint war.

Er deutete auf einen Rollstuhlfahrer, der bis über die Hüfte im Wasser verschwunden war. Die Reifen waren nicht mehr zu sehen, aber beide Beobachter wussten natürlich sofort, wer der Betreffende war.

„Beispielsweise der da, Sie wissen schon. Der kam hier kurze Zeit vor Ihnen an. Er hat sogar noch einen Geldkoffer mit DMark in der Hand, aber eben alles schön unter der Oberfläche und man sieht selbst hier nichts davon.“

„Interessant“, meinte von Lücke.

Er wollte unmittelbar mit grossem Wortschwall loslegen, aber dann fiel sein Blick auf eine männliche Gestalt in der Nähe, die ihm bekannt vorkam.

Der Betreffende sah deutlich angeschlagen aus.
So als wäre er aus grosser Höhe auf den flachen Boden gestürzt.

Er stand aber gerade mal bis zu den Knien im Wasser.

Der Tutor bemerkte den kritischen Gesichtsausdruck von Lückes.

„Haben Sie ihn erkannt ?“

„Ja, aber nur, weil er so eine Art kaputten Fallschirm in der Hand hält.“

Von Lückes Begleiter vermied jede Andeutung von Ahnungslosigkeit.

„Der hatte hier eine sehr unsanfte Landung, aber irgendwie auch Glück, weil er mitten auf einer Sandbank aufgeschlagen ist.
Vermutlich wäre er sonst komplett abgetaucht.“


Allmählich hellte sich von Lückes Stimmung merklich auf.

Hier gab es einiges, was immens politisch zu kommentieren wäre.
Offensichtlich war er am völlig richtigen Platz.

Bevor er endgültig wieder loslegen konnte, fehlten ihm jetzt allenfalls das passende Studio, ein zuträglicher Nachrichtensender, eine freundlich gesonnene Talkshow und vielleicht 1-2-3 flugs hingehaltene Mikrophone.

Dann würde sein geschnarrtes Geschnattere seine Wirkung entfalten.

Bevor er seinen Begleiter auf diese hinderlichen Begleitumstände seines geplanten Kommentierens hinweisen konnte, wies dieser auf eine Szene hin, die auch den Polit-Profi Albern von Lücke zunächst sprachlos machte.

Ein kleines Stück entfernt, aber deutlich sehr weit draussen im tieferen Wasser, war ein sehr bekannter, früherer Politiker zu erkennen.

Das klare Wasser hatte sich an dieser Stelle braun verfärbt.

Offensichtlich resultierte die Farbgebung aus einer Mischung von grünen und roten Blasen, die unterhalb der Position des Betreffenden aufstiegen.

Von Lücke holte tief Luft und musste ein paar Mal schlucken.

„Ich glaub es einfach nicht“, sagte er.
„Wenn ich es jetzt nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.“

„Der hat zu seinen Lebzeiten garantiert nicht immer die reine Wahrheit gesagt.
Aber jetzt steht er mit seinen Schaftstiefeln in aufrechter Haltung mitten im See und bleibt dabei fast völlig trocken. Ist das zu fassen ?
Ausgerechnet ER kann sogar im Himmel über das Wasser gehen ?“


In diesem Moment öffnete sich eine verborgene Tür und eine bärtige ältere Gestalt stürmte eilig in Richtung Ufer.

„Aha“, sprach von Lückes Tutor, „jetzt wird’s himmlisch.
Da hinten kommt der CEO höchstpersönlich zum Einsatz als Bademeister.“


Besagte Gestalt hatte inzwischen das Wasser erreicht, gestikulierte wild am Ufer und rief laut in die Richtung des aufrecht stehenden Herrn.

„Adolf, jetzt ist endgültig Schluss mit Deinen Tricks.
Sofort runter von Angela !“


zuletzt bearbeitet 08.07.2019 12:22 | nach oben springen


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